< PreviousKommunale Betrachtungsräume Wie schon im „Fokus Sozialplanung 2017“ angekündigt, sol- len zukünftig kleinräumigere Informationen zusammenge- stellt werden, um ein differenzierteres Bild über die durchaus unterschiedliche soziale Lage in den einzelnen Kommunen zu erhalten. Kleinräumige Analysen sind also für ein sinnvolles Sozialmonitoring notwendig, um den unterschiedlichen Ent- wicklungen und Gegebenheiten vor Ort in den verschiedenen Regionen besser Rechnung zu tragen. Bestimmte Potentiale und Problemlagen lassen sich mit detaillierten Kenntnissen der Regionen besser erkennen, als es auf der übergeordneten Kreis- ebene möglich ist, wo sich Unterschiede eventuell wieder aus- gleichen und damit gar nicht erst sichtbar werden. Die kleinräu- migere Betrachtung ermöglicht eine deutlich nähere Perspektive auf die alltägliche Lebenswelt der Menschen im Kreisgebiet. Hierzu ist eine erste Gliederung unterhalb der Kreisebene entworfen worden, die in den nächsten Jahren noch gemein- sam mit den Städten und Gemeinden weiterentwickelt wer- den wird. Im Sinne eines ersten Schrittes zu einer kleinräu- migeren Betrachtung der sozialen Lage im Kreisgebiet sind in der Sozialplanung sieben kommunale Betrachtungsräume im Kreis Pinneberg identifiziert worden. Die kommunalen Betrachtungsräume sind Wedel, Pinne- berg, Uetersen/Tornesch, Elmshorn, Barmstedt, Quickborn und Helgoland. Bis auf Helgoland – aufgrund seiner beson- deren Lage als Hochseeinsel – zeichnen sich alle kommuna- len Betrachtungsräume als eine Zusammenfassung mehre- rer Kommunen aus, in der jeweils mindestens eine größere Kommune als Zentrum fungiert. In dieser ersten Stufe er- folgte die Zuschneidung in Zusammenarbeit mit dem Team Regionalplanung und Europa auf Basis einer bereits vorlie- genden wissenschaftlichen Verflechtungsanalyse und der Be- rücksichtigung geographischer Gegebenheiten, z.B. die na- türliche Trennung von Siedlungsgebieten durch einen Fluss oder die Form des jeweiligen Siedlungskörpers. Die Einwohnerzahlen sowie die Größe der kommunalen Be- trachtungsräume schwanken stark, so leben in diesen zwischen etwa 12.800 und 113.300 sowie auf Helgoland etwa 1.350 Men- schen. Die konzipierten kommunalen Betrachtungsräume verstehen sich in dieser Phase als statistische Bezirke – sind aber noch keine Sozialräume. Sie sind als Schritt hin zu wei- teren kleinräumigeren Auswertungen gedacht, die in Zukunft gemeinsam mit den Kommunen und weiteren Beteiligten in definierte Sozialräume für den Kreis Pinneberg münden wer- den. Da viele relevante Daten dem Kreis Pinneberg naturge- mäß nicht auf kleinräumiger Ebene zur Verfügung stehen, soll hier in kommunaler Partnerschaft eine gemeinsame Datenba- sis entwickelt und genutzt werden. Nichtsdestotrotz werden schon in diesem Fokus die ersten Auswertungen anhand der Betrachtungsräume dargestellt. Betrach- tungsräume als Ausgangspunkt kleinräumigerer Auswertungen BETRACHTUNGSRÄUME UND EINWOHNERZAHLEN IM KREIS PINNEBERG Quelle: Statistikamt Nord 2016 Pinneberg Wedel Uetersen Tornesch Barmstedt Elmshorn Quickborn 39.659 31.381 12.780 1.357 113.311 43.068 69.097 Helgoland Gesamt 310.653 10 FOKUS 2018 / SOZIOÖKONOMISCHE KONTEXTINFORMATIONENKOMMUNALER BETRACHTUNGSRAUM ZUGEHÖRIGE STÄDTE UND GEMEINDEN Wedel Wedel, Hetlingen, Haseldorf, Holm Quickborn Quickborn, Hemdingen, Hasloh, Bönningstedt, Bilsen Pinneberg Pinneberg, Ellerhoop, Kummerfeld, Borstel-Hohenraden, Tangstedt, Ellerbek, Prisdorf, Rellingen, Halstenbek, Schenefeld, Appen Uetersen/Tornesch Tornesch, Uetersen, Moorrege, Heidgraben, Neuendeich, Heist, Haselau Elmshorn Elmshorn, Seestermühe, Seester, Groß Nordende, Klein Nordende, Raa-Besenbek, Seeth-Ekholt, Bevern, Kölln-Reisiek, Bokholt-Hanredder, Groß Offenseth-Aspern, Brande-Hörnerkirchen, Bokel, Osterhorn, Westerhorn, Klein Offenseth-Sparrieshoop BarmstedtBarmstedt, Lutzhorn, Langeln, Heede, Bullenkuhlen HelgolandHelgoland Beispielhaft wird dies an der unterschiedlichen Altersvertei- lung der Bevölkerung gezeigt. In den nächsten Jahren wer- den dann weitere detailliertere Auswertungen unterhalb der Kreisebene in den Handlungsfeldern zur Verfügung stehen. Aufgrund seiner besonderen Situation ist Helgoland stets ge- sondert zu betrachten. Auch schon der Anteil der Kinder und Jugendlichen, der Seniorinnen und Senioren über 65 Jahre und der Personen über 80 Jahre geben Hinweise über die Struktur in den je- weiligen Betrachtungsräumen. Aus diesen Anteilen können Hinweise über die soziale Lage und auch über mögliche be- sondere Bedarfe abgeleitet werden. Mit Blick auf die Verteilung der Kinder und Jugendlichen liegt der Anteil an der Gesamtbevölkerung kreisweit bei 17,0 %. Merklich von diesem Durchschnitt weichen zwei kommunale Betrachtungsräume ab, einmal der kommunale Betrachtungsraum Wedel und der Betrachtungsraum Elms- horn. Im Betrachtungsraum Wedel liegt der Anteil erkenn- bar unterdurchschnittlich bei 15,9 % und im Betrachtungs- raum Elmshorn überdurchschnittlich bei 18,0 %. Der Anteil der Menschen über 65 Jahre liegt im Schnitt bei 22,1% im Kreisgebiet. Dieser Anteil hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Auch hier zeigen sich wieder erkenn- bare Unterschiede, der Betrachtungsraum Wedel liegt mit 24,6 % deutlich über dem Durchschnitt und der kommunale Betrachtungsraum Elmshorn mit 19,7 % erkennbar darun- ANTEIL U-18 IN DEN BETRACHTUNGSRÄUMEN Quelle: Statistikamt Nord 2016 Kreisdurchschnitt 17 % Helgoland 10,1 % Pinneberg Wedel Uetersen Tornesch Barmstedt Elmshorn Quickborn 15,9 % 17,2 % 17,3 % 16,8 % 16,9 % 18,0 % 11Fast 45 % der Bevölkerung im Kreis Pinneberg ist älter als 50 Jahre ANTEIL Ü-65 IN DEN BETRACHTUNGSRÄUMEN Quelle: Statistikamt Nord 2016 Kreisdurchschnitt 22,1% Helgoland 25,1 % Pinneberg Wedel Uetersen Tornesch Barmstedt Elmshorn Quickborn 24,6 % 22,8 % 21,4 % 22,8 % 21,4 % 19,7 % ANTEIL Ü-80 IN DEN BETRACHTUNGSRÄUMEN Quelle: Statistikamt Nord 2016 Kreisdurchschnitt 5,9% Helgoland 5,5 % Pinneberg Wedel Uetersen Tornesch Barmstedt Elmshorn Quickborn 7,2 % 5,9 % 6,0 % 5,9 % 5,8 % 5,1 % ter. Vergleichbares gilt auch für die Personen über 80 Jahre, auch hier liegt der Betrachtungsraum Wedel mit 7,2 % über und der Betrachtungsraum Elmshorn mit 5,1 % unter dem Kreisdurchschnitt. Der Anteil der Über-80-Jährigen liegt im Kreisgebiet bei 5,9 %. Der Betrachtungsraum Elmshorn ist damit ein kommunaler Betrachtungsraum mit einer eher jüngeren Bevölkerung und im Betrachtungsraum Wedel ist die ältere Bevölkerung überrepräsentiert. Die restlichen Be- trachtungsräume entsprechen bei den dargestellten Bevölke- rungsgruppen im Wesentlichen dem Kreisdurchschnitt. Für den Betrachtungsraum Helgoland gilt, dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen bei nur 10,1% liegt, der Anteil der Über-65-Jährigen hingegen bei 25,1 %. Demnach hat die Insel eine eher ältere Bevölkerungsstruktur. Allerdings liegt der Anteil der Über-80-Jährigen bei 5,5 % und damit leicht unter Kreisdurchschnitt. In den nächsten Jahren können für die Betrachtungsräume z.B. die Anzahl verschiedener Hilfe- arten pro Einwohner ausgewertet werden. 12 FOKUS 2018 / SOZIOÖKONOMISCHE KONTEXTINFORMATIONEN1317,59 % Erstattung durch Land für unbegleitete minderjährige Ausländer 93 % Erstattung durch Land 79 % Erstattung durch Land 15 % Erstattung durch Eltern 79 % Erstattung durch Land 13,77 % Erstattung durch Land für unbegleitete minderjährige Ausländer 100 % Erstattung durch Bund 40 % Erstattung durch Bund 3,1 % der Sozialausgaben Hilfe zur Pflege Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung Hilfe zur Erziehung / Hilfe für junge Volljährige Hilfen für Asylbewerber Förderung von Kindern in Tageseinrich- tungen und in Tagespflege Hilfe zum Lebensunterhalt Kindertages- einrichtungen Sonstige Leistungen*Inobhutnahme und Eingliederungshilfe Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung Grundsicherung für Arbeitssuchende 19,6 % der Sozialausgaben 9,3 % der Sozialausgaben 8,0 % der Sozialausgaben 5,8 % der Sozialausgaben 2,4 % der Sozialausgaben 8,6 % der Sozialausgaben 7 % der Sozialausgaben7,7 % der Sozialausgaben 7,2 % der Sozialausgaben 18,9 % der Sozialausgaben 79 % Erstattung durch Land 79 % Erstattung durch Land 14 FOKUS 2018 / SOZIOÖKONOMISCHE KONTEXTINFORMATIONENErstattungsanteil Der schraffierte Bereich in den Rechtecken stellt den prozentualen Anteil der dem Kreis Pinneberg durch Dritte erstatteten Kosten im Jahr 2017 dar. • Hilfen zur Gesundheit • Übertragene Aufgaben des Sozialpsychiatrischen Dienstes • Förderung der Erziehung in der Familie • Schülerbeförderung • Schulsozialarbeit und Verpflegung im Hort • Prävention und Jugendarbeit • Leistungen zur Bildung und Teilhabe nach SGB II * Sonstige Leistungen, dazu gehören u.a.: Finanzdaten Die finanziellen Rahmenbedingungen der Kreisverwaltung sind ein wesentlicher Faktor, der die Inanspruchnahme von Leistungen beeinflusst. Als integrierte Sozialplanung geben wir in diesem Fokus erstmals einen Überblick über die ak- tuellen und prognostizierten künftigen finanziellen Entwick- lungen der Produkte im Sozialbereich. Aus der nebenstehenden Abbildung, die sämtliche Aufwen- dungen für alle Produkte des Sozialhaushalts umfasst, werden die größten Leistungen im Sozialbereich des Kreises Pinne- berg ersichtlich. Die Größe eines jeden Rechtecks verdeutlicht dabei das anteilige finanzielle Volumen an den Gesamtaus- gaben. Die zehn größten Posten decken bereits fast 90 % der Ausgaben ab. Nicht alle Ausgaben werden vollständig vom Kreis finanziert. Teilweise werden die Kosten in unterschied- licher Höhe vom Land oder vom Bund erstattet. Dies bilden die unterschiedlichen Schraffierungen innerhalb der Rechte- cke ab, die die anteiligen Erstattungen im Jahr 2017 darstel- len. Nichtsdestotrotz sind auch diese Aufwendungen Teil des Kreishaushaltes, erfordern u.a. auch personelle Ressourcen und beinhalten ein sozialpolitisches Steuerungspotential. Gesamt- überblick als Basis für gezielte Steuerung 15Die Entwicklung der Ausgaben für Soziales im Kreis Pinne- berg ist in den letzten Jahren ansteigend. Über den 6-Jah- res-Zeitraum 2012 bis 2017 ergibt sich hier im Mittelwert eine jährliche Steigerung von ca. 8 %. Geht man zukünftig von einer linearen Fortschreibung der bisherigen Entwicklung aus, wäre bis zum Jahr 2020 mit einer Ausgabensteigerung gegen- über dem Jahr 2017 in Höhe von über 80 Millionen Euro zu rechnen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass diese Summe, wie oben bereits beschrieben, in unterschiedlicher Höhe vom Land oder vom Bund erstattet wird. Im Schnitt werden ca. 55 % dieser Ausgabensteigerungen erstattet. Der Vergleich zum Bundes- und Landestrend zeigt, dass diese steigende Ent- wicklung der Sozialausgaben ebenfalls auf Landesebene zu beobachten ist. Auch das Bundesfinanzministerium weist für die Entwicklung der Sozialausgaben des Bundes von 2013 bis 2017 eine Steigerung von ca. 17 % aus und rechnet bis 2020 mit einer prozentualen Steigerung von bis zu 28 % im Ver- gleich zum Jahr 2013 (BFM 2016). Die Sozialplanung hat die wesentlichen Haushaltsprodukte des Sozialbereichs betrachtet und im Hinblick auf mögliche Potentiale analysiert. Die Be- trachtung ergibt, dass die zwanzig größten Produkte des So- zialhaushalts eine anteilige Ausgabenrelevanz von 97,7 % der Gesamtausgaben in 2017 aufweisen. Innerhalb dieser Gesamtausgaben haben sich einzelne Leis- tungsarten recht unterschiedlich entwickelt. Nachfolgend wer- den die zehn Hauptprodukte mit dem verhältnismäßig größten Finanzvolumen sowie drei weitere Produkte aus dem Bereich der Sonstigen Leistungen, die in einem engen Zusammenhang mit den Hauptprodukten und den priorisierten Handlungsfeldern stehen, ausführlicher betrachtet. Zur besseren Einordnung der betrachteten Produkte wurden Erkenntnisse aus dem landeswei- ten Benchmark der Kreise und weitere Vergleichsdaten auf Bun- desebene herangezogen. Dies soll ein umfassendes Verständnis der Daten des Sozialhaushalts ermöglichen. In die Berechnung der zukünftigen prozentualen Steigerun- gen fließen der Mittelwert im Kreis Pinneberg zu 40 % und die jeweiligen Mittelwerte von Land und Bund zu jeweils 30 % ein. Prognosen ohne Einbeziehung dieser Trends gehen jeweils von einer linearen Kostenentwicklung basierend auf den vorherigen Jahren aus. Entwicklung der Sozialausgaben Quelle: Kreis Pinneberg 400 350 300 250 200 150 100 50 0 20132014201520162017201820192020 in Mio. EUR PROGNOSE PROZENTUALE ENTWICKLUNG KREIS 14 10 5 0 2,57 11,72 9,28 13,25 3,93 8,158,158,15 in Prozent ENTWICKLUNG UND POTENTIAL 7,07 7,307,30 Kreis PinnebergPrognose Steuerung Ausgaben Kreis PinnebergPrognose Steuerung 16 FOKUS 2018 / SOZIOÖKONOMISCHE KONTEXTINFORMATIONENDie Ausgaben der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behin- derung stellen den größten Einzelposten der Ausgaben im Sozial- bereich des Kreises Pinneberg dar. In den vergangenen Jahren sind die Werte jährlich um durchschnittlich 2,7 % angestiegen. Im Ver- gleich zum Landes- und Bundestrend zeigt sich, dass der Ausga- benanstieg im Kreis Pinneberg in abgeschwächter Form verläuft. Berücksichtigt man für eine Prognose sowohl die bisherige Ent- wicklung im Kreis Pinneberg sowie auf Landes- und Bundes- ebene und auch die Entwicklungen aus dem BTHG, wäre zu- künftig mit einer durchschnittlichen Steigerung von 3,57 % pro Jahr zu rechnen. Dies würde einer Ausgabensteigerung um etwa 7 Millionen Euro bis 2020 entsprechen. Die Detailanalyse zeigt bei diesem Produkt allerdings weiterhin eine geringere Steige- rung von 2,7 % im Vergleich zum Landes- und Bundestrend. Bis 2020 wird maximal ein absoluter Kostenaufwuchs von ca. 5,2 Millionen Euro erwartet. Diese für den Kreis gegen- über dem Landes- und Bundestrend positive Entwicklung der letzten, aber auch der kommenden Jahre ist auch auf die abge- stimmten Aktivitäten der Fachdienste Soziales, Jugend und Ge- sundheit zurück zu führen. Die Investitionen der letzten Jahre bei den Ausgaben für übertragene Aufgaben des Sozialpsychi- atrischen Dienstes, für die Suchtberatung und Angebote der dezentralen Psychiatrie (siehe Seite 28), haben beispielsweise ei- nen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Produkts Einglie- derungshilfe. Die stabilen Angebote in diesen Bereichen können Kosten der Eingliederungshilfe und weitergehende soziale Kos- ten senken, die z.B. durch Arbeits- oder Wohnungsverlust entste- hen. Um diesen Effekt zukünftig weiter zu befördern, empfiehlt es sich, wohnortnahe Angebote zu verstärken (siehe Handlungs- empfehlung Ausbau der offenen psychiatrischen Hilfen auf den Seiten 66–67), so dass bestehende sozialraumorientierte Ange- bote genutzt werden können. Zudem hat sich in den Fachdiens- ten Soziales, Jugend und Gesundheit ein wirkungsorientiertes Fallmanagement von Verwaltungskräften und pädagogischen Fachkräften im Rahmen der Gesamtplanverfahren etabliert. Die bereits ausgeprägte multiprofessionelle Zusammenarbeit trägt auch den Anforderungen des Bundesteilhabegesetzes Rechnung und wirkt sich positiv auf die finanzielle Entwicklung aus. Hinzu kommen die Verhandlungen auf Bundes- und Landes- ebene, ob und wie die möglichen Mehrkosten der Umsetzung des BTHG ab 2020 ggf. gegenfinanziert werden. Hier zeichnen sich bereits positive Entwicklungen ab, die zu der begründeten Annahme führen, dass die Kostensteigerung noch weiter be- grenzt werden kann. Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung 70 60 50 40 30 20 10 0 20132014201520162017201820192020 in Mio. EUR Quellen: Kreis Pinneberg / Benchmarking Eingliederungshilfe / Destatis PROGNOSE Ausgaben Kreis PinnebergPrognose Steuerung in Prozent 5 4 3 2 1 0 -1 -0,51 3,80 4,50 2,52 3,21 5,16 2,95 5,02 4,194,22 2,37 4,89 4,40 3,573,573,57 PROZENTUALE ENTWICKLUNG BUND / LAND / KREIS ENTWICKLUNG UND POTENTIAL Kreis PinnebergLandPrognose SteuerungBund 2,702,702,70 1770 60 50 40 30 20 10 0 20132014201520162017201820192020 in Mio. EUR Ausgaben Kreis PinnebergPrognose Steuerung Grundsicherung für Arbeitssuchende (Kosten der Unterkunft) Die Entwicklung der Ausgaben im Produkt Grundsicherung für Arbeitssuchende (Kosten der Unterkunft) wird hier in den Ver- gleich zur Entwicklung der Zahlungsansprüche von Bedarfsge- meinschaften auf Kosten der Unterkunft im Land Schleswig-Hol- stein und auf Bundesebene gestellt. Es zeigt sich, dass im Kreis Pinneberg in den Jahren 2015 und 2016 ein stärkerer Ausgaben- anstieg eingetreten ist als auf Landes- oder Bundesebene. 2017 liegt die Steigerung im Kreis Pinneberg bei ca. 12 %. In der Analy- se des Produkts zeigt sich, dass hierfür unter anderem die Bewäl- tigung der Integrationsaufgaben und die zunehmende Steigerung der Mietkosten im Kreis Pinneberg eine Rolle spielen. Die Sozialplanung betrachtet diese Faktoren in einer gewichte- ten Prognose und geht von einer weiteren Ausgabenentwick- lung bis 2020 von ca. 5 Millionen Euro aus. Dies entspricht im Mittelwert einer Steigerung von 2,8 % jährlich. Das Produkt steht in einem engen Verhältnis zu gesamtwirtschaftlichen Ent- wicklungen, bei einer deutlichen konjunkturellen Abschwä- chung wäre mit ansteigenden Kosten zu rechnen. Steuerungspotentiale ergeben sich für den Fachbereich in der weitergehenden Förderung junger Menschen am Übergang Schule-Beruf, um eine möglichst schnelle Integration in den Arbeitsmarkt zu erreichen, so dass diese nicht auf Grund- sicherungsleistungen wie die Kosten der Unterkunft ange- wiesen sind. Die Einrichtung einer Jugendberufsagentur im Dezember 2016 im Kreis Pinneberg, die u.a. auf Basis von Erfahrungen aus der Schulsozialarbeit entwickelt wurde, ist hier ein Steuerungsmoment, um den bisherigen Entwicklun- gen zu begegnen. Hinzu kommen Angebote wie beispiels- weise die Förderung der Schuldnerberatung mit ca. 145.000 Euro pro Jahr oder die Suchtberatung und dezentrale Psychiatrie, die auch eine Integration in den Arbeitsmarkt fördern oder Arbeitslosigkeit von Menschen im Kreis Pinne- berg verhindern. Aufgrund der bisher in diesen Bereichen aufgewendeten Mittel des Kreises wird in den kommenden Jahren bis 2020 davon ausgegangen, dass die bisher ange- nommenen Steigerungen von 2,8 % im Jahr zukünftig auf 2,5 % begrenzt werden können. Quellen: Kreis Pinneberg / Bundesagentur für Arbeit PROGNOSE in Prozent 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0 -1 -0,32 1,49 4,00 4,94 12,47 0,84 2,79 1,82 0,33 1,18 2,67 1,97 1,60 2,802,802,80 PROZENTUALE ENTWICKLUNG BUND / LAND / KREIS Kreis PinnebergLandPrognose SteuerungBund ENTWICKLUNG UND POTENTIAL 2,50 2,502,50 18 FOKUS 2018 / SOZIOÖKONOMISCHE KONTEXTINFORMATIONEN 18Dennoch ist hier auch zu berücksichtigen, dass die Entwick- lung im Bereich des Zuzugs von Asylsuchenden eine Rolle spielt. Durch die Abarbeitung der Asylanträge durch das Bun- desamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) beispielsweise werden die Asylsuchenden in den Bereich des SBG II über- geleitet. Sie fallen dann aus dem Produkt der Ausgaben für Asylbewerber heraus, das zu einem wesentlich höheren Anteil vom Land finanziert wird (70 % Land, 30 % Kreis und im ers- ten Asylverfahren 90 % Land, 10 % Kreis), und wechseln in das Produkt Ausgaben für Grundsicherung für Arbeitssuchende, das zu einem geringeren Anteil durch Dritte finanziert wird (40 % Bund, 60 % Kreis). 19Next >