Fokus 2026
Armut
Armut ist ein reales Problem mit steigender Tendenz. Bei Kindern und Jugendlichen gilt Armut als entscheidender Faktor für ungleiche Gesundheitschancen. Auch im Kreis Pinneberg bestehen erhebliche soziale Ungleichheiten. Vergleichsweise hohe Wohn- und Lebenshaltungskosten im Kreis sind weiterhin Faktoren für Armutsgefährdung. Armut äußert sich auch durch einen Mangel an sozialer Teilhabe, Ausgrenzung und Rückzugstendenzen oder Einsamkeit. Mit Präventionsarbeit, insbesondere finanzieller Bildung, kann gegengewirkt werden. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleibt das Ehrenamt als wichtiger Beitrag zur sozialen Teilhabe besonders in Krisenzeiten essenziell, es gleicht häufig Lücken in der staatlichen Daseinsvorsorge aus.
Wechselwirkungen mit anderen Handlungsfeldern:
3,6 %
Altersarmut
49.533 €
durchschnittliches Einkommen
22.100
Menschen in Bedarfsgemeinschaften
446
Privatinsolvenzen
Die Situation am Wohnungsmarkt hat sich weiter verschärft. Eine hohe Wohn- und Lebensqualität im Kreis aufgrund der Nähe zu Hamburg führt zu vergleichsweise hohen Kosten für Wohnraum. Diese variieren je nach Elbnähe und Anbindung an Hamburg. Der allgemeine Kostenanstieg führt auch dazu, dass junge Erwachsene immer später ausziehen. In vielen Städten können sich junge Berufstätige, Auszubildende oder Studierende die Mieten nicht leisten oder es fehlen passende Angebote. Teilweise dauert auch die Ausbildungsphase länger, wodurch finanzielle Unabhängigkeit hinausgezögert wird.
Armut zeigt sich dadurch, dass Menschen der Zugang zu höherer Bildung oder zur Teilnahme an kulturellen Ereignissen verwehrt bleibt. Dies wiederum erschwert den Einstieg in Beschäftigung und ein gesichertes Einkommen.
Insgesamt ist die Anzahl der Menschen in Bedarfsgemeinschaften im Kreis 2025 deutlich gesunken. Ursache sind zum einen gesetzliche Änderungen, wonach Flüchtlinge aus der Ukraine seit April 2025 Asylbewerberleistungen anstelle von Bürgergeld erhalten und vom Sozialamt betreut werden. Weiter wird davon ausgegangen, dass inzwischen viele Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten, was auch die sinkende Zahl an Asylbewerberleistungen in 2025 bekräftigt (Handlungsfeld Zuwanderung und Integration).
Armut führt häufig zu einem Rückzug aus der Gesellschaft. Viele Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind, meiden soziale Kontakte, um ihre Armut nicht zeigen zu müssen. Dies erschwert den Zugang zu Hilfeangeboten zusätzlich. Weitere Ausführungen zur Thematik sind im Handlungsfeld Soziales Leben und Freizeit zu finden. Ein weiterer Belastungsfaktor sind finanzielle Schwierigkeiten. Überschuldung ist längst ein gesamtgesellschaftliches Problem und betrifft zunehmend breite Bevölkerungsschichten, auch Erwerbstätige und Familien. Die Beratungsfälle der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung sind gestiegen, komplexer geworden und Mehrfachbelastungen z.B. durch gesundheitliche Probleme nehmen deutlich zu. Hauptursachen sind zunehmend strukturelle Faktoren: höhere Wohnkosten, stagnierende Einkommen und steigende Lebenshaltungskosten. Finanzierungsformen wie z. B. „Buy now pay later“ erhöhen besonders für junge Menschen das Risiko einer schleichenden Verschuldung. Durch Krisenintervention und Prävention stabilisiert die Schuldnerberatung Lebensverhältnisse, verhindert Wohnungslosigkeit und unterstützt den Erhalt von Erwerbsfähigkeit. Laut Studien spart sie ein Vielfaches an Folgekosten (positiver Social Return on Investment bis über 1:5). Als Bestandteil der sozialen Infrastruktur mit hoher präventiver und fiskalischer Wirkung ist eine verlässliche Finanzierung essentiell.
Ehrenamtliches Engagement ist zentral bei der Bekämpfung von Armut und Unterstützung betroffener Menschen. Projekte wie Tafeln, Kleiderkammern, Second-Hand-Läden oder die Mitarbeit bei Mittagstischen und in Notunterkünften helfen, Grundbedürfnisse wie Nahrung oder Kleidung zu sichern. Die kostenlose medizinische Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung wird überwiegend aus Spenden finanziert. Der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit ist durch Studien belegt. Insbesondere Kinder und Jugendliche leiden häufiger unter psychischen Auffälligkeiten, Einschränkungen bei gesunder Ernährung, Bewegung und dem Zugang zu Gesundheitsmaßnahmen.
Von Armut betroffene Menschen im Kreis sind auf niedrigschwellige Hilfsangebote angewiesen, wie z.B. die Burg des Vereins Frischlinge e.V. als wichtiges, kostenfreies Spiel- und Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche in einem Elmshorner Stadtteil. Ergänzend wird eine Ferienmaßnahme „Stadtranderholung“ in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt ausgerichtet. Weitere Angebote werden mit Hilfe von Spendenparlamenten oder Bündnissen gegen Armut realisiert. Auch der Kinderschutzbund berät, unterstützt bei Behördengängen und unterbreitet viele Angebote. Ehrenamtliche Arbeit fördert auch das Bewusstsein für Armutsprobleme in der Gesellschaft, die Angebote erleben teilweise akute Krisen durch stark gestiegene Nachfrage bei gleichzeitig sinkenden Spenden. Hohe Energiekosten und ehrenamtliche Kapazitätsgrenzen zwingen Tafeln teilweise zu Aufnahmestopps. Generell wächst die Kluft zwischen Armutsbetroffenen und verfügbaren Möglichkeiten der Unterstützung.
- Die Sozialformel liefert überblickshaft Erkenntnisse über die räumlich unterschiedlich verteilten sozialen Bedarfe im Kreisgebiet, indem mehrere Indikatoren zusammengefasst werden
- Aufgrund der Neustrukturierung der bisherigen Räume liegen hierzu aktuell noch nicht alle Werte der Sozialformel vor, die Werte für 2025 werden spätestens im September im neu gestalteten Sozialbericht sichtbar sein, tendenziell lässt sich festhalten, dass eher städtisch geprägte Regionen tendenziell höhere Werte aufweisen als ländliche Räume
- Die Arbeitslosenquote von Menschen mit SGB II-Bezug liegt Ende 2025 bei 3,2 % (-0,3 % ggü. Vj.)
- Die Anzahl der Arbeitssuchenden im SGB II sinkt auf etwa 10.200 Personen (-650 ggü. Vj.)
- Die Menschen in Bedarfsgemeinschaften sind Ende 2025 deutlich auf etwa 22.100 gesunken (-850 ggü. Vj.), beeinflusst auch durch gesetzliche Änderungen ab April 2025 für Flüchtlinge aus der Ukraine
- Etwa 3.800 Familien erhalten Ende 2025 SGB II-Leistungen (-300 ggü. Vj.)
- Der Anteil der Alleinerziehenden an den Familien mit SGB II-Leistungen Ende 2025 steigt weiter auf 54,3 % (+0,8 % ggü. Vj.)
- Etwa 7.400 Kinder und Jugendliche beziehen Ende 2025 SGB II-Leistungen (-400 ggü. Vj.)
- Bei den Anteilswerten liegen aktuell nur die Daten für 2024 vor
- Für Ende 2024 liegt der Anteil der Menschen in Bedarfsgemeinschaften im Kreis bei 7,1 % (+0,1 % ggü. Vj.)
- Der Anteil von Menschen in Bedarfsgemeinschaften liegt schon seit mehreren Jahren in den Städten tendenziell höher als in kleineren Kommunen
- Kinderarmut, d.h. Kinder unter 15 Jahren im SGB II-Bezug im Verhältnis zu allen Kindern der Altersgruppe, sinkt Ende 2024 leicht auf 14,5 % (-0,1 % ggü. Vj.)
- Der Kreis Pinneberg liegt damit weiterhin über dem Bundeswert von 13,6 % (-0,1 % ggü. Vj.) und über dem Landeswert von 14,2 % (-0,2 % ggü. Vj.)
- Bei der Jugendarmut, also bei Jugendlichen zwischen 15 und unter 18 Jahren, steigt der Wert im Kreis Pinneberg in 2024 auf 12,2 % (+0,6 % ggü. Vj.)
- Im Bund mit 12,1 % (-0,3 % ggü. Vj.) und ebenso im Land mit 12,2 % (-0,4 % ggü. Vj.) sind sinkende Werte zu verzeichnen
- Ende 2024 erhalten etwa 2.700 Personen über 65 Jahre Grundsicherung im Alter (+150 ggü. Vj.)
- Das Verhältnis zu allen Personen über 65 Jahren, als Indikator für Altersarmut, steigt Ende 2024 minimal auf 3,6 % (+0,1 % ggü. Vj.)
- Der Landeswert steigt auf 3,8 % (+0,3 % ggü. Vj.) und der Bundeswert steigt auf 3,9 % (+0,2 % ggü. Vj.)
- Die Werte für Ende 2025 zeigen einen weiteren Anstieg, etwa 2.800 Personen über 65 Jahre erhalten Grundsicherung im Alter (+100 ggü. Vj.)
- Werte der Städte und Gemeinden im Kreis für die Indikatoren Kinderarmut, Jugendarmut und Altersarmut sind auch im digitalen Sozialbericht verfügbar
- Die Armutsgefährdungsquote, also der Anteil der Menschen, die weniger als 60 % des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben, kann aufgrund statistischer Vorgaben nur für die schleswig-holsteinischen Randkreise um Hamburg ermittelt werden; aufgrund einer statistischen Umstellung orientiert sich der Wert nun am Landes- und nicht mehr am Bundesschnitt
- Die Armutsgefährdungsquote im Vergleich zum Landesschnitt wird im südlichen Schleswig-Holstein mit 14,8 % angegeben (+0,5 % ggü. Vj.), es bleibt der niedrigste Wert in Schleswig-Holstein
- Aufgrund der Abgabefristen der Steuererklärung liegen die Werte der Steuerstatistik mit etwa vierjähriger Verzögerung vor, wobei die deutlichen Anstiege für 2021 auch mit dem Beginn der Corona-Pandemie in 2020 zusammenhängen
- Das durchschnittliche Einkommen der steuerpflichtigen Einwohnenden steigt 2021 deutlich auf 49.533 Euro (+2.023 Euro ggü. Vj.)
- Das Medianeinkommen, also das Einkommen bei dem jeweils 50 % oberhalb und unterhalb dieses Wertes liegen, wird mit 33.787 Euro angegeben und steigt wieder an (+1.168 Euro ggü. Vj.)
- Im Vergleich ist erstmals das verfügbare Einkommen auf Kreisebene erfassbar, dieses beträgt in 2023 für den Kreis 31.360 Euro und befindet sich dabei deutlich über dem Landesschnitt von 29.395 Euro
- Das verfügbare Einkommen beinhaltet alle Einkommen und Transferleistungen abzüglich Steuern und Sozialbeiträgen
- Die Überschuldungsquote im Kreis Pinneberg bleibt in 2025 nahezu unverändert auf 7,18 % (+0,01 % ggü. Vj.)
- Mit Platz 165 liegt der Kreis besser als der Durchschnitt aller 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland (7 Plätze besser ggü. Vj.)
- Hauptursachen für Überschuldung sind in leicht veränderter Reihenfolge Erkrankungen, längerfristiges Niedrigeinkommen und Arbeitslosigkeit, dies waren auch schon in den vergangenen Jahren die meistgenannten Gründe
- Im Vergleich zu den Vorjahren wird nun über die beratenen Personen in der Schuldnerberatung berichtet; etwa 1.250 Personen haben in 2025 eine Beratungsstelle aufgesucht (+70 ggü. Vj.), insgesamt werden deren Fälle zunehmend komplexer und erfordern eine längerfristige Bearbeitung
- Die meisten Ratsuchenden sind wie bisher Beschäftigte mit etwa 43 % (unverändert ggü. Vj.) und etwa 41 % erhalten Lohnersatzleistungen aus dem SGB II, III oder XII (unverändert ggü. Vj.)
- Im Hinblick auf die Lebenssituation sind 28 % der beratenen Personen alleinlebend (-2 % ggü. Vj.) und weitere 15 % alleinerziehend (-2 % ggü. Vj.)
- Beim Risiko- und Kredit-Kompass der Schufa wird im Kreis der Anteil von Personen mit einem harten oder weichen Negativmerkmal mit 7,3 % (-0,1 % ggü. Vj.) angegeben, der Kreis liegt damit landesweit im Durchschnitt, es werden Werte zwischen 5,4 % und 15,3 % angegeben
- Insolvenzen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Selbständigen werden im Kreis für 2024 mit 446 angegeben (+33 ggü. Vj.), wobei nach dem Ende der Aussetzung der Meldepflicht während der Pandemie die steigenden Werte zu erwarten waren
Quellenangaben
Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2024 // Schuldneratlas Creditreform 2025 // SCHUFA Kredit-Kompass 2025 // BIAJ 2024 // Kreis Pinneberg 2024, 2025 // Statistikamt Nord 2021, 2024 // Agentur für Arbeit 2024, 2025 // AWO Schuldnerberatung 2025 // Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder 2023
Die Statistik zu untergebrachten wohnungslosen Menschen gibt an, wer in kommunalen Sammelunterkünften oder Frauenhäusern u.Ä. lebt. Diese Statistik ist aktuell besonders durch die Fluchtbewegungen von Frauen mit Kindern aus der Ukraine geprägt. In vielen Kommunen ist nur begrenzt freier Wohnraum zur dezentralen Unterbringung verfügbar. Die Menschen mussten daher in zentralen Sammelunterkünften untergebracht werden und zählen somit in die Statistik.
Die Kinderarmut setzt die Kinder bis 14 Jahren im SGB II-Bezug zu allen Kindern dieser Altersgruppe ins Verhältnis. Entsprechendes gilt bei der Jugendarmut für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren. Inzwischen liegt der Kreis bei beiden Werten über den Landes- und den Bundeswerten. Mehr als jedes 7. Kind und fast jeder 8. Jugendliche im Kreisgebiet wächst somit in einer armutsgefährdeten Lebenslage auf.
Im Jahr 2026 gibt es keine Handlungsempfehlung aus dem Netzwerk der Sozialplanung für das Handlungsfeld Arbeit. Handlungsempfehlungen der Vorjahre bzw. für andere Handlungsfelder finden Sie hier .
Die Situation am Wohnungsmarkt hat sich weiter verschärft. Eine hohe Wohn- und Lebensqualität im Kreis aufgrund der Nähe zu Hamburg führt zu vergleichsweise hohen Kosten für Wohnraum. Diese variieren je nach Elbnähe und Anbindung an Hamburg. Der allgemeine Kostenanstieg führt auch dazu, dass junge Erwachsene immer später ausziehen. In vielen Städten können sich junge Berufstätige, Auszubildende oder Studierende die Mieten nicht leisten oder es fehlen passende Angebote. Teilweise dauert auch die Ausbildungsphase länger, wodurch finanzielle Unabhängigkeit hinausgezögert wird.
Armut zeigt sich dadurch, dass Menschen der Zugang zu höherer Bildung oder zur Teilnahme an kulturellen Ereignissen verwehrt bleibt. Dies wiederum erschwert den Einstieg in Beschäftigung und ein gesichertes Einkommen.
Insgesamt ist die Anzahl der Menschen in Bedarfsgemeinschaften im Kreis 2025 deutlich gesunken. Ursache sind zum einen gesetzliche Änderungen, wonach Flüchtlinge aus der Ukraine seit April 2025 Asylbewerberleistungen anstelle von Bürgergeld erhalten und vom Sozialamt betreut werden. Weiter wird davon ausgegangen, dass inzwischen viele Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten, was auch die sinkende Zahl an Asylbewerberleistungen in 2025 bekräftigt (Handlungsfeld Zuwanderung und Integration).
Armut führt häufig zu einem Rückzug aus der Gesellschaft. Viele Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind, meiden soziale Kontakte, um ihre Armut nicht zeigen zu müssen. Dies erschwert den Zugang zu Hilfeangeboten zusätzlich. Weitere Ausführungen zur Thematik sind im Handlungsfeld Soziales Leben und Freizeit zu finden. Ein weiterer Belastungsfaktor sind finanzielle Schwierigkeiten. Überschuldung ist längst ein gesamtgesellschaftliches Problem und betrifft zunehmend breite Bevölkerungsschichten, auch Erwerbstätige und Familien. Die Beratungsfälle der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung sind gestiegen, komplexer geworden und Mehrfachbelastungen z.B. durch gesundheitliche Probleme nehmen deutlich zu. Hauptursachen sind zunehmend strukturelle Faktoren: höhere Wohnkosten, stagnierende Einkommen und steigende Lebenshaltungskosten. Finanzierungsformen wie z. B. „Buy now pay later“ erhöhen besonders für junge Menschen das Risiko einer schleichenden Verschuldung. Durch Krisenintervention und Prävention stabilisiert die Schuldnerberatung Lebensverhältnisse, verhindert Wohnungslosigkeit und unterstützt den Erhalt von Erwerbsfähigkeit. Laut Studien spart sie ein Vielfaches an Folgekosten (positiver Social Return on Investment bis über 1:5). Als Bestandteil der sozialen Infrastruktur mit hoher präventiver und fiskalischer Wirkung ist eine verlässliche Finanzierung essentiell.
Ehrenamtliches Engagement ist zentral bei der Bekämpfung von Armut und Unterstützung betroffener Menschen. Projekte wie Tafeln, Kleiderkammern, Second-Hand-Läden oder die Mitarbeit bei Mittagstischen und in Notunterkünften helfen, Grundbedürfnisse wie Nahrung oder Kleidung zu sichern. Die kostenlose medizinische Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung wird überwiegend aus Spenden finanziert. Der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit ist durch Studien belegt. Insbesondere Kinder und Jugendliche leiden häufiger unter psychischen Auffälligkeiten, Einschränkungen bei gesunder Ernährung, Bewegung und dem Zugang zu Gesundheitsmaßnahmen.
Von Armut betroffene Menschen im Kreis sind auf niedrigschwellige Hilfsangebote angewiesen, wie z.B. die Burg des Vereins Frischlinge e.V. als wichtiges, kostenfreies Spiel- und Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche in einem Elmshorner Stadtteil. Ergänzend wird eine Ferienmaßnahme „Stadtranderholung“ in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt ausgerichtet. Weitere Angebote werden mit Hilfe von Spendenparlamenten oder Bündnissen gegen Armut realisiert. Auch der Kinderschutzbund berät, unterstützt bei Behördengängen und unterbreitet viele Angebote. Ehrenamtliche Arbeit fördert auch das Bewusstsein für Armutsprobleme in der Gesellschaft, die Angebote erleben teilweise akute Krisen durch stark gestiegene Nachfrage bei gleichzeitig sinkenden Spenden. Hohe Energiekosten und ehrenamtliche Kapazitätsgrenzen zwingen Tafeln teilweise zu Aufnahmestopps. Generell wächst die Kluft zwischen Armutsbetroffenen und verfügbaren Möglichkeiten der Unterstützung.
- Die Sozialformel liefert überblickshaft Erkenntnisse über die räumlich unterschiedlich verteilten sozialen Bedarfe im Kreisgebiet, indem mehrere Indikatoren zusammengefasst werden
- Aufgrund der Neustrukturierung der bisherigen Räume liegen hierzu aktuell noch nicht alle Werte der Sozialformel vor, die Werte für 2025 werden spätestens im September im neu gestalteten Sozialbericht sichtbar sein, tendenziell lässt sich festhalten, dass eher städtisch geprägte Regionen tendenziell höhere Werte aufweisen als ländliche Räume
- Die Arbeitslosenquote von Menschen mit SGB II-Bezug liegt Ende 2025 bei 3,2 % (-0,3 % ggü. Vj.)
- Die Anzahl der Arbeitssuchenden im SGB II sinkt auf etwa 10.200 Personen (-650 ggü. Vj.)
- Die Menschen in Bedarfsgemeinschaften sind Ende 2025 deutlich auf etwa 22.100 gesunken (-850 ggü. Vj.), beeinflusst auch durch gesetzliche Änderungen ab April 2025 für Flüchtlinge aus der Ukraine
- Etwa 3.800 Familien erhalten Ende 2025 SGB II-Leistungen (-300 ggü. Vj.)
- Der Anteil der Alleinerziehenden an den Familien mit SGB II-Leistungen Ende 2025 steigt weiter auf 54,3 % (+0,8 % ggü. Vj.)
- Etwa 7.400 Kinder und Jugendliche beziehen Ende 2025 SGB II-Leistungen (-400 ggü. Vj.)
- Bei den Anteilswerten liegen aktuell nur die Daten für 2024 vor
- Für Ende 2024 liegt der Anteil der Menschen in Bedarfsgemeinschaften im Kreis bei 7,1 % (+0,1 % ggü. Vj.)
- Der Anteil von Menschen in Bedarfsgemeinschaften liegt schon seit mehreren Jahren in den Städten tendenziell höher als in kleineren Kommunen
- Kinderarmut, d.h. Kinder unter 15 Jahren im SGB II-Bezug im Verhältnis zu allen Kindern der Altersgruppe, sinkt Ende 2024 leicht auf 14,5 % (-0,1 % ggü. Vj.)
- Der Kreis Pinneberg liegt damit weiterhin über dem Bundeswert von 13,6 % (-0,1 % ggü. Vj.) und über dem Landeswert von 14,2 % (-0,2 % ggü. Vj.)
- Bei der Jugendarmut, also bei Jugendlichen zwischen 15 und unter 18 Jahren, steigt der Wert im Kreis Pinneberg in 2024 auf 12,2 % (+0,6 % ggü. Vj.)
- Im Bund mit 12,1 % (-0,3 % ggü. Vj.) und ebenso im Land mit 12,2 % (-0,4 % ggü. Vj.) sind sinkende Werte zu verzeichnen
- Ende 2024 erhalten etwa 2.700 Personen über 65 Jahre Grundsicherung im Alter (+150 ggü. Vj.)
- Das Verhältnis zu allen Personen über 65 Jahren, als Indikator für Altersarmut, steigt Ende 2024 minimal auf 3,6 % (+0,1 % ggü. Vj.)
- Der Landeswert steigt auf 3,8 % (+0,3 % ggü. Vj.) und der Bundeswert steigt auf 3,9 % (+0,2 % ggü. Vj.)
- Die Werte für Ende 2025 zeigen einen weiteren Anstieg, etwa 2.800 Personen über 65 Jahre erhalten Grundsicherung im Alter (+100 ggü. Vj.)
- Werte der Städte und Gemeinden im Kreis für die Indikatoren Kinderarmut, Jugendarmut und Altersarmut sind auch im digitalen Sozialbericht verfügbar
- Die Armutsgefährdungsquote, also der Anteil der Menschen, die weniger als 60 % des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben, kann aufgrund statistischer Vorgaben nur für die schleswig-holsteinischen Randkreise um Hamburg ermittelt werden; aufgrund einer statistischen Umstellung orientiert sich der Wert nun am Landes- und nicht mehr am Bundesschnitt
- Die Armutsgefährdungsquote im Vergleich zum Landesschnitt wird im südlichen Schleswig-Holstein mit 14,8 % angegeben (+0,5 % ggü. Vj.), es bleibt der niedrigste Wert in Schleswig-Holstein
- Aufgrund der Abgabefristen der Steuererklärung liegen die Werte der Steuerstatistik mit etwa vierjähriger Verzögerung vor, wobei die deutlichen Anstiege für 2021 auch mit dem Beginn der Corona-Pandemie in 2020 zusammenhängen
- Das durchschnittliche Einkommen der steuerpflichtigen Einwohnenden steigt 2021 deutlich auf 49.533 Euro (+2.023 Euro ggü. Vj.)
- Das Medianeinkommen, also das Einkommen bei dem jeweils 50 % oberhalb und unterhalb dieses Wertes liegen, wird mit 33.787 Euro angegeben und steigt wieder an (+1.168 Euro ggü. Vj.)
- Im Vergleich ist erstmals das verfügbare Einkommen auf Kreisebene erfassbar, dieses beträgt in 2023 für den Kreis 31.360 Euro und befindet sich dabei deutlich über dem Landesschnitt von 29.395 Euro
- Das verfügbare Einkommen beinhaltet alle Einkommen und Transferleistungen abzüglich Steuern und Sozialbeiträgen
- Die Überschuldungsquote im Kreis Pinneberg bleibt in 2025 nahezu unverändert auf 7,18 % (+0,01 % ggü. Vj.)
- Mit Platz 165 liegt der Kreis besser als der Durchschnitt aller 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland (7 Plätze besser ggü. Vj.)
- Hauptursachen für Überschuldung sind in leicht veränderter Reihenfolge Erkrankungen, längerfristiges Niedrigeinkommen und Arbeitslosigkeit, dies waren auch schon in den vergangenen Jahren die meistgenannten Gründe
- Im Vergleich zu den Vorjahren wird nun über die beratenen Personen in der Schuldnerberatung berichtet; etwa 1.250 Personen haben in 2025 eine Beratungsstelle aufgesucht (+70 ggü. Vj.), insgesamt werden deren Fälle zunehmend komplexer und erfordern eine längerfristige Bearbeitung
- Die meisten Ratsuchenden sind wie bisher Beschäftigte mit etwa 43 % (unverändert ggü. Vj.) und etwa 41 % erhalten Lohnersatzleistungen aus dem SGB II, III oder XII (unverändert ggü. Vj.)
- Im Hinblick auf die Lebenssituation sind 28 % der beratenen Personen alleinlebend (-2 % ggü. Vj.) und weitere 15 % alleinerziehend (-2 % ggü. Vj.)
- Beim Risiko- und Kredit-Kompass der Schufa wird im Kreis der Anteil von Personen mit einem harten oder weichen Negativmerkmal mit 7,3 % (-0,1 % ggü. Vj.) angegeben, der Kreis liegt damit landesweit im Durchschnitt, es werden Werte zwischen 5,4 % und 15,3 % angegeben
- Insolvenzen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Selbständigen werden im Kreis für 2024 mit 446 angegeben (+33 ggü. Vj.), wobei nach dem Ende der Aussetzung der Meldepflicht während der Pandemie die steigenden Werte zu erwarten waren
Quellenangaben
Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2024 // Schuldneratlas Creditreform 2025 // SCHUFA Kredit-Kompass 2025 // BIAJ 2024 // Kreis Pinneberg 2024, 2025 // Statistikamt Nord 2021, 2024 // Agentur für Arbeit 2024, 2025 // AWO Schuldnerberatung 2025 // Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder 2023
Die Statistik zu untergebrachten wohnungslosen Menschen gibt an, wer in kommunalen Sammelunterkünften oder Frauenhäusern u.Ä. lebt. Diese Statistik ist aktuell besonders durch die Fluchtbewegungen von Frauen mit Kindern aus der Ukraine geprägt. In vielen Kommunen ist nur begrenzt freier Wohnraum zur dezentralen Unterbringung verfügbar. Die Menschen mussten daher in zentralen Sammelunterkünften untergebracht werden und zählen somit in die Statistik.
Die Kinderarmut setzt die Kinder bis 14 Jahren im SGB II-Bezug zu allen Kindern dieser Altersgruppe ins Verhältnis. Entsprechendes gilt bei der Jugendarmut für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren. Inzwischen liegt der Kreis bei beiden Werten über den Landes- und den Bundeswerten. Mehr als jedes 7. Kind und fast jeder 8. Jugendliche im Kreisgebiet wächst somit in einer armutsgefährdeten Lebenslage auf.
Im Jahr 2026 gibt es keine Handlungsempfehlung aus dem Netzwerk der Sozialplanung für das Handlungsfeld Arbeit. Handlungsempfehlungen der Vorjahre bzw. für andere Handlungsfelder finden Sie hier .
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